Warum sie? VIII (der Schulseelsorger)

(aus dem geistlichen Tagebuch eines Priesters, Jahresexerzitien im Kloster)

Warum sie 8

Wohin könnte ich fliehen vor deinem Geist, wohin mich vor deinem Angesicht flüchten?
Nehme ich die Flügel des Morgenrots und lasse mich nieder am äussersten Meer,
auch dort wird deine Hand mich ergreifen und deine Rechte mich fassen.
Ps 139, 7.9-10

Ja, mein Gott, wie konnte ich das vergessen! Hatte ich wirklich geglaubt, ich könnte einfach so weglaufen und weiterleben, als ob nichts geschehen wäre? Ich hätte es wissen müssen: So leicht lässt DU mich nicht davonkommen.

Ich hatte sie zuerst gar nicht wahrgenommen. Es war eine der Nonnen, die wie jeden Morgen im Gästesaal des Klosters für unser Frühstück sorgten. Ich war versunken in mein dumpfes Schweigen und nippte abwesend an meinem Kaffee. Erst als die dunkle Gestalt in der weissen Schürze unvermittelt in ihrer Bewegung innehielt, wurde ich auf sie Aufmerksam. Sie schien ebenso überrascht wie ich. Fassungslos starrte ich in diese Augen, die mich immer so fasziniert hatten, seit ich sie vor 15 Jahren zum ersten Mal gesehen hatte.

Sie hatte sich schneller gefasst als ich und das Blut kehrte bereits wieder in ihre glühenden Wangen zurück, als sie mir lächelnd den Kaffee nachfüllte. Ich wollte etwas sagen, wusste aber nicht was. Und als ich wieder einigermassen denken konnte, war sie bereits mit dem Geschirrwagen in die Klausur verschwunden.

An ein gesammeltes Beten und Meditieren war natürlich nach diesem Schock nicht mehr zu denken. Mein Versuch, in der Kapelle etwas zur Ruhe zu kommen, war kläglich gescheitert. Und nachdem mir auch in meinem Zimmer die Decke auf den Kopf zu fallen drohte, hatte ich mich kurzerhand vom Mittagessen abgemeldet und mich auf eine Wanderung geflüchtet… wohl auch aus Angst, ihr wieder zu begegnen.

Sie hat es also tatsächlich getan. Ich hatte ihr damals nicht geglaubt, als sie als Schülerin zu mir in die geistliche Begleitung gekommen war. Mädchen, die mit gerade mal 15 Jahren ins Kloster wollen, vor allem, wenn es noch verwöhnte Kinder reicher Bankiers sind, haben irgendein Problem: Der Vater, die Mutter, die Pubertät. So wie die kleine Therese von Lisieux. Die erschien mir auch immer irgendwie gestört, als ich ihre Erinnerungen las.

Doch was ist, wenn ich mich getäuscht habe? War ich damals wirklich offen, eine echte Berufung zu erkennen? Ich hatte gerade mein erstes Jahr als Priester hinter mir, als ich die Stelle als Seelsorger in der renommierten Schule angetreten habe. Der Elan der Weihegnade war schnell verflogen und eine gewisse Ernüchterung und Frustration hatte bei mir Einzug gehalten. Und daran war nicht nur die Krebserkrankung meiner Mutter schuld, wie ich mir lange versucht hatte einzureden. Nach einem Jahr als Vikar in einer Gemeinde waren meine Ideale zerbrochen, und mit ihnen der Glaube ans Gute im Menschen… und der Glaube an die Liebe in Gott.

Natürlich wollte ich das nicht wahrhaben. Ich tat alles, um meine Krise hinter frommem Aktivismus zu verbergen, vor den anderen und vor allem auch vor mir selber. Was mir an innerer Sicherheit fehlte, habe ich durch äussere Radikalität wettgemacht. Das hat mir viel Bewunderung eingebracht, vor allem von Seiten der Schüler, von den gläubigen ebenso wie von manch anderen, denen meine Entschiedenheit imponiert hat. Einige der Lehrerkollegen aber hatten mich deswegen verachtet und mir das durch systematisches Ignorieren oder durch dauernde zynische und ironische Bemerkungen zum Ausdruck gebracht.

Zur Gruppe der Letzteren hatte auch die Konrektorin gehört. Nie werde ich den verächtlichen Ausdruck in ihrem Lächeln vergessen, als sie mir an meinem ersten Arbeitstag im Büro des Rektors vorgestellt worden war. Die attraktive Mittvierzigerin trug einen langen Wollmantel um die Schultern gelegt und hatte sich nicht die Mühe gemacht, den feinen Lederhandschuh auszuziehen, um mich zu begrüssen. Sie hatte mich zum Mittagessen in der Kantine eingeladen, und bei dieser Gelegenheit hatte ich nicht nur erfahren, dass sie neben ihren Aufgaben in der Schulleitung auch noch Deutsch und Philosophie unterrichtete, sondern auch, dass sie eine überzeugte Atheistin sei und ich deshalb sicher verstehen würde, wenn sie für meine Stelle an der Schule nicht allzu viel Interesse aufbringen könne.

Umso mehr Interesse schien sie in der Folge für mich aufzubringen. Immer wieder begegneten wir uns zufällig im Lehrerzimmer oder in der Kantine. Und bei jeder Gelegenheit forderte sie mich heraus mit ironischen Bemerkungen oder sonst einer subtilen Boshaftigkeit. Und immer, wenn sie sich in der Mittagspause dazu entschloss, sich mit ihrem Essen zu mir zu setzen – was mit der Zeit erstaunlich oft der Fall war – verwickelte sie mich früher oder später in eine philosophische Diskussion über die Sinnlosigkeit des Gottesglaubens. Ich fand sie unendlich dumm und bestrafte sie innerlich mit Verachtung, musste aber mit Erstaunen feststellen, dass ich allmählich begann, mit einer gewissen Erregung nach ihr Ausschau zu halten, wenn ich die Schule betrat.

Ich war ebenso überrascht wie berührt, als ich sie bei der Beerdigung meiner Mutter unter den Trauernden am Grab entdeckte. Ich hatte sie zuerst gar nicht erkannt, da sie zu dem eleganten schwarzen Kostüm einen Hut mit Schleier trug. Sie hatte ihren Handschuh ausgezogen, als sie mir schliesslich die Hand gab. Ich hätte schwören können, in ihren Augen hinter dem feinen Netz eine Träne zu erkennen. Aber sie hatte sich einer näheren Betrachtung entzogen, indem sie mich kurzerhand umarmt hat. Verblüfft und betört vom feinen Duft ihres Parfüms hatte ich zugeschaut, wie sie an der Schlange der Kondolierenden vorbei zwischen den Gräbern davoneilte.

Einen Monat später stand ich an einem Freitagabend mit einem Strauss Blumen vor der Tür ihres Hauses. Sie hatte mich zum Essen eingeladen und meine Hand zitterte leicht vor Aufregung, als ich die Klingel betätigte. Und sie zitterte erst recht, als ich ihr die Hand gab. Sie trugen einen knielangen, dunkelgrauen Wollrock und ein weinrotes Kaschmir-Twinset, dessen Jacke bis auf die zwei obersten Knöpfe geschlossen war und von einer Perlenkette abgerundet wurde.

Der Tisch in dem stilvollen Salon war nur für zwei Personen gedeckt. Ihr Mann, ein renommierter Professor für Biochemie, sei auf einer Konferenz in Boston. Und ihre Tochter weile für ein Auslandsemester in London. Meine Gastgeberin erwies sich als ausgezeichnete Köchin und der Wein war derart gut, dass wir schon bald bei der zweiten Flasche waren. Irgendwann waren die Knöpfe ihrer Strickjacke offen und ihre Wangen glühten rosig im dezenten Licht, als sie mir zuhörte, wie ich von meiner Mutter erzählte. Die Glocke der nahen Kirche schlug 10 Uhr, als sie mich einlud, es mir in der Bibliothek bequem zu machen, während sie das Geschirr in die Küche trug. Sie würde uns noch einen Tee kochen.

Ich war so vertieft in die Betrachtung einer wunderbaren, alten Lutherbibel, die dort auf einem Holzständer aufgeschlagen lag, dass ich gar nicht bemerkt hatte, wie sie hinter mir den Raum betreten hat. Erst der feine Duft ihres Parfüms und die leise Berührung ihres Armes, liess mich gewahr werden, dass sie plötzlich neben mir stand. Sie hatte sich die Jacke des Twinsets um die Schultern gelegt und schaute mit einem traurigen Blick an mir vorbei auf die Bibel. Gebannt sah ich zu, wie sie sorgfältig aber entschieden das Buch zuklappten und sich zu mir umdrehte. Die weissen Perlen funkelten im Licht der Lampe, während sich ihre Brust im Rhythmus des Atems gegen das feine Kaschmir drängte. Und als ich den Blick hob, war die Trauer in ihren Augen einem seltsamen Ausdruck gewichen, den ich nicht recht deuten konnte. „Tee oder Whisky, Herr Pfarrer?“, durchbrach ihre sanfte Stimme schliesslich die knisternde Stille, die sich zwischen uns ausgebreitet hatte.

„Ich möchte glauben können wie sie“, hörte ich sie nachdenklich sagen, als ich ein paar Wochen später wieder einmal mit dem Kopf an ihrer Brust aufgewacht war. Ihre Augen hatten versonnen an die Decke gestarrt, während durch das offene Fenster der morgendliche Gesang der Vögel ins Zimmer drang. Sie wirkte erschöpft. Ihre strähnigen Haare zeugten von einer intensiven Nacht und ihr ungeschminktes Gesicht verriet gnadenlos, was sie täglich mit einiger Sorgfalt zu verbergen suchte. Langsam hatte ich mich von ihr gelöst, nachdem ich einmal mehr feststellen musste, dass ihr Mund am Morgen schal schmeckte. Dafür mochte ich den weichen Morgenmantel ihres Gatten, den dieser mir persönlich zu Verfügung gestellt hatte. Der Mann war eine Koryphäe auf seinem Fach und sehr gefragt als Redner bei Konferenzen rund um den Globus. Er mochte mich und fand es gut, dass seine Frau nicht so oft alleine war und zwischendurch anregende Gesellschaft im Haus hatte. Ich weiss bis heute nicht, ob er wirklich so naiv war, oder ob es ihm einfach egal war. Für ersteres würde sprechen, dass offenbar auch sonst niemand auf den Gedanken gekommen war, in der Beziehung zwischen dem jungen Priester und der fast zwanzig Jahre älteren Dame mehr als eine geistliche Freundschaft zu vermuten. Bis heute kränkt mich irgendwie der Gedanke, dass selbst meine Feinde mir offensichtlich nicht mehr zugetraut hatten.

Mit „sie“ hatte die Konrektorin damals meine fromme Schülerin gemeint, die „Heilige“, wie sie diese spöttisch zu nennen pflegte, seit dem ich ihr immer wieder von ihr erzählt hatte. Die junge Frau, die unaufdringlich aber konsequent ihren Glauben lebte und sich neben der Schule aufopferungsvoll um eine Schulfreundin kümmerte, hatte uns beide in ihren Bann gezogen. Mich, weil sie mich dauernd leidvoll an meine eigene Berufung erinnerte. Und die Konrektorin, weil diese sich nicht entscheiden konnte, ob sie die „Heilige“ nun als Rivalin oder als heimliches Vorbild betrachten sollte. Der Umstand, dass sie eines Tages begonnen hat, den Stil der Jungen zu imitieren und ihre Strickjacken auch an der Schule elegant um die Schultern drapiert zu tragen, erschien mir auf diesem Hintergrund wie eine perfekte Illustration von René Girards mimetischer Theorie.

Auch an dem Tag, an dem sie atemlos in mein Sprechzimmer gestürzt kam, wo ich vor Schmerz gekrümmt am Boden lag, wehten die langen Ärmel ihrer weinroten Twinsetjacke lose von ihren Schultern. Voll Sorge hatte sie mir die zusammengelegte Strickjacke unter den Kopf geschoben, während ich noch immer halb betäubt zu verstehen versuchte, was da gerade geschehen war: Als ich von der Pause zurückgekommen war, hatte eine junge Frau auf mich gewartet. Sie war am Fenster gestanden und hatte mir den Rücken zugekehrt. Ihre langen dunklen Haare wirbelten eindrücklich durch die Luft, als sie sich energisch umgedreht hat. Sie trug ein knielanges dunkles Kleid, elegante Lederstiefel und eine schwarze Lederjacke. Ich hatte die Frau noch nie gesehen. Und doch glaubte ich diese Augen zu kennen, die mich mit einem bedrohlichen Funkeln musterten. Ich war wie gelähmt durch diesen Blick, während sie auf mich zukam und ich sah, wie sich ihre roten Lippen zu bewegen begannen:

„Ich will, dass sie aufhören, meine Mutter zu vögeln!“

Noch heute höre ich diese Stimme in meinem Kopf: Ruhig, fast sanft, und doch klar und messerscharf in ihrer fordernden Intensität. Ich weiss nicht mehr, was ich in meinem Schock zu sagen versuchte. Was immer es war, ihre schallende Ohrfeige hatte dem Satz ein vorzeitiges Ende bereitet. Und bevor ich wusste, wie mir geschah, hatte sie mir das Knie zwischen die Beine gerammt, gefolgt von einer zweiten Ohrfeige, die mich stöhnend auf den Boden sinken liess. „Sofort!“ zischte sie mir ins Ohr, bevor sie so unvermittelt verschwand, wie sie aufgetaucht war. Ihre Mutter hatte schliesslich vom Fenster ihres Büros aus gesehen, wie sie den Schulhof verlassen hat.

Im Nachhinein war ich froh um dieses schmerzhafte Ende. Ich hätte nicht ewig so weiter machen können. Heute kann ich kaum nachvollziehen, wie es dazu kommen konnte. Ich muss blind gewesen sein. Natürlich war da die Berufungskrise nach den ersten frustrierenden Erfahrungen als Priester. Natürlich hatte mich der qualvolle Tod meiner Mutter völlig aus der Bahn geworfen. Und natürlich war die zärtliche Leidenschaft und Liebe der Konrektorin in dieser Situation eine überwältigende Erfahrung für mich, wo ich doch in dieser Beziehung gerade mal eine kläglich misslungene Erfahrung mit einer Prostituierten während meiner Wehrdienstzeit vorzuweisen hatte. Doch wie hatte ich bloss monatelangen in dieser Illusion eines gestohlenen Glücks verharren können, aus dem mich der schwarze Engel schliesslich befreit hatte?

Wie auch immer, diese Freiheit hatte ihren Preis. Und bezahlt hat ihn eine andere.

Die Konrektorin hatte das Ende nicht akzeptieren wollen. Sie lasse sich ihr Glück nicht zerstören. Nicht von ihrer Tochter. Ich solle mir wegen dieser keine Gedanken machen. Sie würde es nicht wagen, ihrem Vater etwas zu sagen. Das könne sie sich nicht leisten.

Aber für mich war der Fall klar. Ich musste mein Leben wieder in geordnete Bahnen bringen.

„Es ist wegen der „Heiligen“ nicht wahr?“ Noch heute höre ich den giftigen Ton in ihrer Stimme, nachdem ich ihr meine definitive Entscheidung mitgeteilt hatte. Ich solle doch ehrlich sein: Ich hätte einfach Angst vor der Kleinen, dass sie erfahren könnte, wie durch und durch menschlich und erbärmlich ihr heiliges Priesteridol in Wirklichkeit ist.

Zwei Wochen später wurde ich wie aus dem Nichts mit dem Vorwurf konfrontiert, ein Verhältnis mit der „Heiligen“ zu haben. Bis heute weiss ich nicht, wer das absurde Gerücht in die Welt gesetzt hatte. Schliesslich war ich ins Büro des Rektors zitiert worden, wo ich mich dem Vater des Mädchens gegenüber sah. Der renommierte Bankier war ausser sich vor Wut und nur wenig hat gefehlt und er hätte mich verprügelt. Auch die Konrektorin war zugegen. Sie trug die Jacke ihres weinroten Twinsets zugeknöpft und ihr Blick liess keinen Zweifel daran, dass sie mir diesmal keine Strickjacke unter den Kopf gelegt hätte.

Seit ich an diesem Tag aus dem Büro des Rektors entlassen worden war, hatte ich sie nicht mehr wiedergesehen, weder die Konrektorin noch die „Heilige“.

Während mehr als zwölf Jahren hatte ich alles getan, um diesem Wiedersehen aus dem Weg zu gehen.

*******

Es hatte keinen Sinn. Ich konnte weder beten noch meditieren.

Zwei Tage hatte ich gebraucht, um mich durchzuringen, ein Gespräch mit ihr zu erbitten.

Doch als ich die Priorin um Erlaubnis fragen wollte, war ich von allen guten Geistern verlassen. Stattdessen hatte ich meine vorzeitige Abreise angekündigt.

Noch am gleichen Tag sass ich im Auto des Klosters auf dem Weg zum Bahnhof. Und neben mir am Steuer die jüngste der Schwestern, in ihrem schwarzen Habit mit dem eindrucksvollen langen Schleier, und einer dunkelgrauen Kaschmir-Jacke, die sie sich elegant um die Schultern gelegt hat. Ich kannte die Jacke. Sie hatte sie schon getragen, als sie damals zu mir in die geistliche Begleitung kam.

Wir waren auf die Autobahn eingebogen, als sie es war, die nach einer gefühlten Ewigkeit das quälende Schweigen gebrochen hat: Sie hoffe, ich verzeihe ihr, aber sie wolle mir einfach sagen, wie froh und dankbar sie sei, mich endlich wiederzusehen. Es täte ihr leid, was damals geschehen sei und dass ich ihretwegen meine Stelle und meinen guten Ruf verloren hätte. Jeden Tag hätte sie für mich gebetet. Schon damals, als ich noch ihr Begleiter war. Sie wolle sich ja nichts einbilden, aber sie meinte gespürt zu haben, dass es mir nicht gut gegangen war. Doch gerade das sei für sie eine grosse Hilfe gewesen: Zu sehen, dass das Ja zu einer geistlichen Berufung nicht einfach ein Leben in Seligkeit bedeute. Es habe ihr sehr geholfen, ihre eigene Gebrochenheit anzunehmen, ihre eigenen Fragen, die Zweifel und die Momente der Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit. Ich hätte für sie sichtbar gelebt, was ich immer wieder gepredigt hätte: Dass wir eben als Sünder berufen seien. Natürlich hätte sie gespürt, dass ich nicht an ihre Berufung geglaubt habe. Und einen Moment lang habe sie das auch ziemlich verunsichert. Aber letztlich sei es gerade die Auseinandersetzung mit diesem Wiederstand gewesen, mit meinen Fragen und meinem gelegentlichen Spott, was das Vertrauen in ihre eigene Erfahrung gestärkt habe, diese Erfahrung, die ihr Leben bestimmt hat seit jenem Fest Mariä Lichtmess, als sie acht Jahre alt war.

„Danke für alles! Gott segne sie!“, hörte ich sie noch durch die Scheibe des ICE rufen, als sich der Zug in Bewegung setzte. Es hatte leicht zu regnen begonnen und der Wind spielte munter mit dem schwarzen Schleier und den Ärmeln ihrer Strickjacke, als sie mit einem letzten Winken aus meinem Blickfeld verschwand.

„Kann ich etwas für sie tun?“ fragte die Schaffnerin freundlich, als sie wenig später mein Abteil betrat und die Tränen auf meinen Wangen sah.

Würde ich sagen: «Finsternis soll mich bedecken, statt Licht soll Nacht mich umgeben»,
auch die Finsternis wäre für dich nicht finster, die Nacht würde leuchten wie der Tag,
die Finsternis wäre wie Licht.
Ps 139,11-12

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5 Gedanken zu “Warum sie? VIII (der Schulseelsorger)

      1. Das frage ich mich ehrlich gesagt auch und spekuliere ab und an ob alles Fiktion ist oder ob da vieles selbst erlebt ist.
        Als Leser ist es nicht wichtig das zu wissen. Viel wichtiger ist, dass Erzählungen einen mitnehmen und das tun sie in meinem Fall. 🙂 Liebe Grüße

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        1. Nein, selbst erlebt ist eigentlich nichts von dem, was ich erzähle, zumal die meisten meiner Figuren ja Frauen sind… Wobei jede einzelne Figur, ob nun Frau oder Mann, natürlich irgendwo in mir ihren Ursprung hat und daher dennoch immer auch etwas von mir hat, bewusst oder unbewusst. Das Schreiben einer Geschichte ist immer wie das intime Kennenlernen der Figur, die zu Beginn in meinem Kopf meist nur vage vorgegeben ist.
          Dank und Gruss, Beat

          Gefällt 1 Person

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