Schmetterling

Eine literarische Fingerübung inspiriert von Christiane:
https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/01/07/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-02-18-wortspende-von-irgendwas-ist-immer/

Vorgabe: 3 Wörter (Bürde – speckig – schieben) – max. 10 Sätze

Danke für die Inspiration und viel Spass beim Lesen

 

Schmetterling

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Aufgeregt kontrolliert sie ihr Make-up durch die Kamera ihres Smartphones.

Wird er sie wiedererkennen nach über zwei Jahren?

Wenige Tage nach ihrer letzten Begegnung hatte sie ihre Entscheidung getroffen.

Es war die Entscheidung für ihre Würde und gegen die Bürde ihres Schicksals.

Vorbei die Zeit der neongrünen Haare, der unförmigen T-Shirts und der zerrissenen Jeans.

Vorbei auch die Tage, wo sie ihre geschundenen Arme unter der speckigen Lederjacke verstecken musste.

Nervös schieben ihre Hände die Falten des langen Sommerkleids über ihren Knien zurecht.

Und immer wieder überprüfen ihre Finger den Sitz der leichten Strickjacke, die sie sich elegant um die aufrechten Schultern drapiert hat.

Es fühlt sich irgendwie verletzlich an, aber gut.

Egal was er sagen wird, sie ist endlich frei.

 

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Bilder von Click&Funny
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4 Gedanken zu “Schmetterling

  1. Finde ich prima. Das ist eine große Sache, den eigenen Stil zu wechseln, ich kann das nachvollziehen. Aber kannst du dir die Frau auf dem Bild mit zerrissenen Jeans und einem unförmigen Shirt vorstellen? 😉
    Herzlich willkommen bei den Etüden, viel Spaß!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, kann ich! Weil umgekehrt: Viele Frauen, die sich äusserlich Gewalt antun, könnten so aussehen wie sie (wobei eine zerrissene Jeans ja heute super coole Mode ist) 😉
      Mir geht es hier aber um mehr als nur um einen Stilwechsel. „Geschundene“ Arme, die versteckt werden mussten, sprechen von einer fundamentaleren Entscheidung als nur einem Wechsel von Stil und Mode.

      Gefällt 2 Personen

      1. Okay, guter Punkt. Ich habe das zerrissene Outfit nicht als Ausdruck innerer Not gesehen. Auch die geschundenen Arme, die Notwendigkeit dazu, bekommt man nicht aus der Welt, indem man sein Leben neu aufsetzt, oder? Ich würde das eher als Schritte auf einem langen Weg ansehen.
        Liebe Grüße
        Christiane

        Gefällt 1 Person

        1. „Geschundene Arme“ kann vieles bedeuten: Blaue Flecken durch Misshandlung, Nadeleinstiche in den Venen, Brandwunden und Schnittwunden durch Selbstverletzung etc. Nichts davon lässt sich nicht mit einer radikalen Entscheidung beenden (ausser gewisser Narben natürlich). Und in zwei Jahren ist schon manches möglich, wenn die Rahmenbdingung stimmen. Aber ja, in der Regel ist es ein langer Weg… und so ganz sicher fühlt sie sich ja offenbar auch noch nicht in ihrer neuen Haut.
          Liebe Grüsse
          Beat

          Gefällt 1 Person

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