Im Strudel der Ohnmacht (VI, 2016)

„Sagt ihnen der Name Oberst Müller etwas?“
Einen kurzen Moment lang hielt die alte Dame inne, als Laurent sie mit der Frage überraschte. Ohne ihn anzublicken, stellte sie das Tablett auf den Tisch und begann in aller Ruhe den Kaffee einzuschenken. Sie musste weit über neunzig sein, aber ihre runzligen Hände zitterten kaum, und die Weise, wie sie die Jacke ihres Kaschmir-Twinsets um die Schulten gelegt trug, vermittelte eine Ahnung früherer Eleganz. Fasziniert schaute der junge Mann zu, wie sie sich langsam auf ihrem Stuhl niederliess, behutsam ihre Kaffeetasse an die dezent geschminkten Lippen führte und ihn über den Rand ihrer Brille hinweg musterte: „Ich habe ihn erschossen!“

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Bild von Walbusch

Laurent hätte sich fast an seinem Kaffee verschluckt. Fassungslos starrte er in die funkelnden Augen der alten Dame, die ihn ruhig anschauten. Unwillkürlich prüften seine Finger den Sitz seiner Krawatte, während er verzweifelt versuchte, zu erfassen, was er soeben gehört hat. Darauf war er nicht gefasst. So etwas hatte er nicht erwartet. Wobei er, wenn er ehrlich war, eigentlich gar nichts erwartet hatte. Er war mit dem festen Entschluss gekommen, so bald wie möglich wieder das Weite zu suchen. Seine Kollegen waren in Manhattan beim Shoppen und er hatte keine Lust, hier draussen den ganzen Nachmittag herumzuhängen. Was hatte er mit dieser Alten zu schaffen?

„Wer hat sie zu mir geschickt, junger Mann?“, hörte er die Frau sagen, während sein Smartphone unter dem Tisch vibrierte und die neuen, neongelben Sneaker anzeigte, die sein Kollege soeben in einem angesagten Streetwear-Shop gekauft hat. Laurent war nicht unglücklich, das Thema wechseln zu können. Und nachdem er die Sneaker auf Facebook geliked hatte, begann er von seinem Studium in Paris zu erzählen: Politikwissenschaften, Sciences Po, sie habe sicher schon davon gehört. Er möchte später in den diplomatischen Dienst. Am liebsten in die USA. Und er schreibe gerade an einer Seminararbeit über die Rolle des französischen Adels während der deutschen Besatzung in den Vierziger Jahren. Dabei sei er in seiner Heimatstadt auf die mysteriöse Geschichte einer Baronin gestossen, die kurz nach dem Krieg Selbstmord begangen habe. Die Geschichte sei ja eigentlich klar, aber sein Professor hätte gemeint, es gäbe in den USA noch eine Zeitzeugin, die ihm dazu vielleicht etwas erzählen könnte.

Die Runzeln um die Augen der alten Frau wurden noch etwas tiefer und ihre Finger schlossen sich um die wärmende Kaffeetasse, während sie Laurent wortlos anschaute. Und nachdem dieser unter dem Tisch die neuen Wildlederstiefel seiner Kollegin und eine coole Chicago Cubs Baseball-Mütze geliked hatte, erzählte er von seiner Grossmutter, die als junge Frau am Ende der Fünfziger Jahre in einem Bistrot am Stadtplatz gearbeitet habe. Sie hätte sich damals angefreundet mit einem Studenten, der sich für die „wilden Säuberungen“ nach dem Krieg interessiert habe. Sie habe ihm von einer seltsamem Begegnung erzählt, von einer mysteriösen Frau, die aus den USA gekommen war und das Grab der Baronin besucht habe. Der Student habe später herausgefunden, dass es sich dabei um das ehemalige Dienstmädchen der Baronin gehandelt haben müsse. Und ja, der Student von damals sei heute sein Professor an der Sciences Po.

„Warum erzähle ich ihr das alles?“, dachte sich Laurent, während er in einem Moment der Stille an seinem kalt geworden Kaffee nippte. Angenommen, diese Alte wäre wirklich das Dienstmächen der Baronin gewesen, warum sollte sie dann…? Das gibt doch keinen Sinn. Die Vorstellung, dass eine uralte Dame in einer bescheidenen New Yorker Wohnung die ganzen sorgsam erarbeiteten Thesen seiner Seminararbeit in Frage stellen sollte, wollte ihm ganz und gar nicht gefallen. Und all das, während seine Kollegen ihm im Minutentakt in Erinnerung riefen, dass jetzt nach einem langen und harten Semester doch einfach nur Party und jede Menge Spass angesagt war.

„Was wissen sie von Oberst Müller?“, wurde Laurent schliesslich beim Überfliegen seiner WhatsApp-Nachrichten unterbrochen. Und plötzlich war er hellwach: „Horst Müller, SS-Offizier, seit März 1943 Leiter einer regionalen Gestapo-Abteilung in Frankreich“, hörte er sich dozieren, während sein Blick an der alten Frau vorbei in die Ferne schweifte. „Geboren 1901 in Bayern, Sohn einer einfachen Kneipenwirtin und eines an Depressionen leidenden kaiserlichen Beamten. Hat sich mit viel Fleiss und Ehrgeiz hochgearbeitet und nach dem 1. Weltkrieg in München ein Studium in Rechtswissenschaften begonnen, das er aber nie abgeschlossen hat. Bereits Anfang der Zwanziger Jahre hatte er sich der Bewegung um Hitler angeschlossen und war 1930 der SS beigetreten. Nach dem Röhm-Putsch 1934, bei dem er sich als besonders loyal und effizient erwiesen hatte, wurde er in den Sicherheitsdienst SD übernommen, von wo er schliesslich zu Kriegsbeginn in die Gestapo wechselte. In Frankreich erwarb er sich grosse Verdienste im Kampf gegen die Resistance. Als geschickter Stratege – er gab sich oft als Oberst der Wehrmacht aus – unterhielt er aber auch gute Kontakte zu den einflussreichen Kreisen der französischen Wirtschaft und des Adels. Dabei lernte er auch die Baronin kennen, mit der er über mehrere Wochen eine Beziehung hatte. In ihrem Haus wurde er schliesslich von einem Kommando des örtlichen Widerstandes in eine Falle gelockt und ermordet. Die Baronin hatte man damals am Leben gelassen. An einen Stuhl gefesselt und geknebelt musste sie hilflos mitansehen, wie ihr Geliebter und sein Leibwächter erschossen wurden. Erst ein Jahr später bei der Befreiung wurde auch sie zur Rechenschaft gezogen, als man ihr vor allen Leuten die Haare…“

„Hören sie auf! Halten sie endlich den Mund!“ wurde Laurent unvermittelt von einem gellenden Aufschrei aus seinem Redefluss gerissen. „Sie haben überhaupt keine Ahnung!“ Fassungslos starrte er auf die alte Frau, die ihm mit zu Fäusten geballten Händen und vor Zorn bebenden Lippen gegenüber sass. Ihre heftige Reaktion hatte ihn völlig überrumpelt und während er etwas hilflos auf seinem Smartphone nach Halt suchte, begann sie sich langsam zu erheben. Ratlos sah er zu, wie sie sich aufgestützt auf die Tischplatte und mit geschlossenen Augen eine Moment lang sammelte, bevor sie ihm wortlos den Rücken zu drehte und ans Fenster trat.

In einer Mischung aus Bewunderung und Irritation stellte Laurent fest, wie aufrecht die greise Dame da stand, mit den langen Ärmeln ihrer Strickjacke, die lose an ihren Hüften baumelten. Sie erinnerte ihn an seine Mutter. Auch sie hatte eines Tages begonnen, ihre Strickjacken auf diese Weise um die Schultern drapiert zu tragen, damals in der Zeit nach dem Tod seiner Oma, als seine kleine Schwester zur Welt kam. Laurent hat ihr das nie verziehen. War er denn ein so schlimmes Kind gewesen? Womit hatte er das verdient gehabt, diese ständige Erschöpfung und Gereiztheit seiner Mutter, ihre traurige Unnahbarkeit und diese zugeknöpfte Strenge? Natürlich hatte auch er dann von der unerwarteten, positiven Verwandlung seiner Mutter profitiert. Aber igendwo tief in seinem Herzen hasste er sie für ihr plötzliches Glück. Und er hasste seine Schwester, den vermeintlichen Grund für diese wundersamen Wendung.

„Die Baronin war eine wunderbare Frau und eine loyale Französin! Sie hätte sich nie mit einem Nazi eingelassen“, wurde er von der leisen aber klaren Stimme der alten Dame aus seinen Gedanken gerissen. Laurent konnte ihr Gesicht nicht sehen, aber das leise Beben der Schultern unter der Kaschmir-Jacke verriet die angespannte Erregung. „Oberst Müller war nichts als ein gemeiner Schuft, ein narzistischer, machtverliebter Emporkömmling. Er hatte mit den Gefühlen der Baronin gespielt, wie er mit uns allen gespielt hat. Der Krieg sei verloren, hatte er ihr gesagt. Hitler sei ein perverser Egomane und er könne es in seiner Ehre als Offizier nicht länger verantworten, tatenlos zuzusehen. Er wisse, dass sie, die Baronin, ihn damit in der Hand habe und sein Leben zerstören könne. Aber er vertraue ihr. Ob sie ihn mit dem Widerstand in Kontakt bringen könne? Die Baronin war weiss Gott nicht naiv. Wochenlang hatte sie ihn hingehalten. Aber er hatte nicht locker gelassen. Immer wieder hatte er sie besucht, ihr Geschenke gebracht und um ihre Gunst geworben. Er war nett, charmant und sah gut aus. Natürlich hatten die Leute begonnen zu reden. Aber das Gerücht, die Baronin fraternisiere mit den Deutschen, war für sie letztlich immer noch weniger gefährlich als es für ihn der blosse Verdacht gewesen wäre, als deutscher Wehrmachtsoffizier insgeheim mit der Resistance zu kollaborieren. Verstehen sie, junger Mann: Die Baronin hatte ihren eigenen Ruf aufs Spiel gesetzt, um die Vertrauenswürdigkeit dieses Mannes zu prüfen“.

Nein, Laurent verstand nicht wirklich, was sie ihm sagen wollte. Schliesslich hatte er seine Informationen aus den offiziellen Archiven. Warum also sollte er dieser alten Frau glauben, nach all diesen Jahren? Wie viele hatten sich nach dem Krieg nicht ihre eigene Version der Geschichte zurechtgelegt und irgendwann begonnen, selber daran zu glauben. Aber die Situation begann ihn zu faszinieren. Und so kam ihm plötzlich die Idee, diesen Moment mit „Facebook Live“ festzuhalten und mit seinen Kollegen in der Stadt zu teilen. Die ersten Kommentare und Likes liessen nicht lange auf sich warten, während die alte Frau am Fenster nach kurzer Pause wieder zu reden begann:

„Wenn jemand damals naiv war, dann war ich das. Ich mochte den Oberst. Er behandelte mich immer freundlich und respektvoll, ganz anders eben als die übrigen Damen und Herren, die sonst bei der Baronin ein und aus gingen. Einmal schenkte er mir ein paar exquisite Seidenstrümpfe, ein ander Mal ein paar goldene Ohrringe. Dann kam er eines Nachmittags vorbeigeritten, als die Baronin in der Stadt war. Wir brachten sein Pferd in den Stall, um es zu tränken. Und plötzlich lag ich in seinen Armen im Stroh. Es sollte nicht das einzige Mal bleiben. Immer wieder fanden wir Gelegenheit: Auf dem Küchentisch, draussen im Gartenhaus, auf dem Teppich vor dem Kamin, ja einmal sogar auf dem breiten Bett im Zimmer der Baronin. Ich war völlig blind vor Leidenschaft, bis zu dem Tag, an dem uns ein Freund der Baronin, der Chef der örtlichen Resistance, beim Verlassen des Stalles antraf. Natürlich hatten wir eine gute Erkärung parat, doch das Stroh an meiner Strickjacke wollte nicht zur gewählten Ausrede passen. Noch am selben Abend wurde ich von ihm zur Rede gestellt. Er war ausser sich vor Wut und hätte mich fast totgeschlagen. Was mir eigentlich einfalle! Der Mann sei von der Gestapo, genauso wie der Gärtner, den wir vor ein paar Monaten eingestellt hatten. Er sei sich da ganz sicher. Ob wir denn von allen guten Geistern verlassen seien? Es reiche doch schon, dass die Baronin mit dem Kerl ins Bett gehe.
Ich hatte ihm kein Wort geglaubt. Ich wusste, wie eine Wehrmachtsuniform aussieht. Und die Baronin und der Oberst… nein, nie im Leben! Doch am nächsten Tag stand er plötzlich bei mir in der Küche. Er gab mir eine dieser Sten-Maschinenpistolen und befahl mir, mich versteckt zu halten. Dann überwältigte er die ahnungslose Baronin und fesselte sie an einen Stuhl. Ich habe nie begriffen, was er eigentlich vorhatte. Aber die ganze Sache lief völlig aus dem Ruder, als der Oberst und der Gärtner auftauchten. Doch unser Mann hatte recht. Nie werde ich diesen letzten Blick von Oberst Müller vergessen, als ich blind vor Hass den Abzug der Sten betätigte und diese zuerst nur mit einem metallenen Klicken antwortete. Es verfolgt mich noch heute im Schlaf, dieses breite, höhnische Grinsen, als er seine Pistole auf mich richtete.
Ja, junger Mann, ich habe Oberst Müller erschossen. Gehen sie nach Hause und sagen sie es ihrem Professor von Sciences Po. Sagen sie es allen, die es wissen wollen: Es gab kein „Kommando des örtlichen Widerstandes“. Ich habe Oberst Müller erschossen, und ich bin stolz darauf. Doch dieser Stolz ist nichts im Vergleich zu der quälenden Scham, die mich seit über siebzig Jahren Tag und Nacht begleitet. Seit jenem Tag, an dem man der Baronin vor hunderten von grölenden Menschen die Haare vom Kopf geschnitten hat. Es waren meine Haare, die damals hätten fallen müssen.“

Irgendetwas mit der „Facebook Live“ Funktion schien nicht zu klappen. Und so hat Laurent erst gar nicht wahrgenommen, wie sich die alte Dame langsam zu ihm umgedreht hatte. Mit einem leisen Gefühl von Scham lächelte er verlegen, als sich ihre Blicke über das hochgehaltene Smartphone hinweg trafen. Wusste sie, was er gerade tat? Wohl kaum. Jedenfalls zeigte sie keine Reaktion. Aber eine tiefe Trauer sprach aus ihren Augen und einen Moment lang glaubter er, sie schwanken zu sehen, bis ihre Hand an der Lehne eines Sessels Halt fand.

„Gehen sie jetzt, bitte!“, hörte er sie mehr hauchen als sagen, als das Smartphone vibrierte und ihm die Gesichter seiner Kollegen aus einem Selfie vor dem Trump Tower entgegen grinsten.

Laurent atmete erleichtert auf, als er aus dem Treppenhaus ins Freie trat und in seine Daunenjacke schlüpfte. Die kühle Dezemberluft war Balsam für seinen Geist nach zwei endlos scheinenden Stunden in der erstickenden Atmosphäre dieser Wohnung. Jetzt aber nichts wie weg hier! Er sehnte sich nur noch nach cooler Gesellschaft und einem Drink, nach etwas Starkem zum Abhängen und Vergessen. Schnell tippte er eine Nachricht an seine WhatsApp-Gruppe, während er in Richtung U-Bahn über die Strasse eilte und mit der linken Hand den Knoten seiner Krawatte löste. Nur Zentimeter haben gefehlt, und ein laut hupender Truck hätte ihn dabei mit quietschenden Bremsen über den Haufen gefahren…

—————-

An der zurückgezogenen Gardine im dritten Stock vorbei konnte sie den tätowierten Arm erkennen, der ihrem Gast aus dem Truck heraus den gestreckten Mittelfinger unter die Nase hielt. Der junge Mann zuckte nur mit den Schultern. Auf dem Gehsteig angekommen, hielt er einen Moment inne, vertieft in das kleine Gerät, das er die ganze Zeit nie aus der Hand gelegt hatte. Von hier oben kam er ihr vor wie ein kleiner Junge. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt durch das breite Grinsen von Donald Trump, der von einem riesigen Wahlplakat an der Hausfassade auf ihn herunter sah. Auch vier Wochen nach der Wahl hatte sich noch immer niemand die Mühe gemacht, diese Werbefläche zu erneuern.

Dann war der junge Mann um die Hausecke verschwunden, ohne sich noch einmal umzudrehen. Sie hätte ihm gerne noch zugewinkt, ein kleines Zeichen der Verbundenheit, der Dankbarkeit. Er war der einzige Mensch, der je ihre Wahrheit zu hören bekam. Irgendwie erleichtert und traurig zugleich schloss sie einen Moment erschöpft die Augen. Als sie sie wieder öffnete, glaubte sie in dem breiten Grinsen an der Hauswand einen höhnischen Zug zu erkennen. Unwillkürlich liess sie die Gardine zufallen und zog die Jacke ihres Twinsets enger um ihre Schultern. Sie hatte Oberst Müller erschossen, damals vor 73 Jahren. Aber ihr Gefühl sagte ihr, dass er wieder da war. Vielleicht war er immer schon da. Und er würde wohl auch immer da sein, auch dann noch, wenn es sie und ihre Erinnerungen schon lange nicht mehr geben wird.

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10 Gedanken zu “Im Strudel der Ohnmacht (VI, 2016)

  1. Wissen wir denn wirklich, was wir tun, heute wo „Gutmensch“ ein Schimpfwort geworden ist und wo Egoismus und Menschenverachtung uns überall im Gewand vom „Realpolitik “ und „gesundem Menschenverstand“ entgegentritt?
    Herzlichen Dank fürs Lesen und für Deine Reaktion.
    Die Teile IV und V sind vielleicht etwas ermutigender. Letztlich dürfen wir nie aufhören, ans Gute im Menschen zu glauben!

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  2. Nun sind wir also im Heute angekommen … die letzte Zeitzeugin hat ihr Gewissen erleichtert … und mit ihr wird diese Geschichte irgentwann zu Grabe getragen … Laurent hat nicht mal wirklich registriert , was sie ihm da gesagt hat … und so endet ein Stück Geschichte , wie viele andere warscheinlich auch , im Vergessen …
    Hab Dank fürs Erzählen , mich hat diese Geschichte sehr berührt !

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    1. Herzlichen Dank, liebe Jule, fürs Lesen und für Deine Kommentare. Es freut mich, dass Du Dich von der Erzählung berühren lässt.
      Eigentlich ist die Geschichte irgendwie am Ende, oder wie Du es nennst „zu Grabe getragen“. Aber ich bin noch am Überlegen, ob noch ein Teil VII folgen soll. Erstens ist 7 die Zahl der Vollkommenheit, und zweitens endet Teil VI etwas gar hoffnungslos. Mal schauen 🙂

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  3. Mir gefällt die Darstellung der heute herrschenden Gleichgültigkeit gegenüber allen nicht virtuellem. Jemand schüttet einem das Herz aus und man hat nichts besseres zu tun, als es in irgendeiner Art und Weise zu posten. Trump ist da nur der Anfang. Ich befürchte, es wird noch einiges mehr brauchen, bis die Mehrheit wieder aus ihrem Cloud-Tiefschlaf erwacht.

    Tolle Geschichte. Ich habe es sehr genossen sie zu lesen.

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    1. Danke, das freut mich sehr!
      Für mich steht weniger die Frage nach virtuell oder nicht-virtuell im Vordergrund, sondern der Verlust von Geschichte und das, was man „Globalisierung der Oberflächlichkeit“ nenne könnte. Dazu kommt die totale Ich-Zentriertheit vieler Menschen und die damit verbundene Unfähigkeit zur Empathie.
      Die Frage wird wohl auch sein, wer in naher Zukunft mehrheitsfähig sein wird: Die noch einigermassen Wachen und die, die vielleicht aus dem Cloud-Tiefschlaf noch aufwachen, oder eben all die anderen, die sich gerade in diesem Cloud-Tiefschlaf von Leuten wie Trump und Co. abgeholt und verstanden fühlen.

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      1. Das ist ein Auswuchs unseres Technikzeitalters. Viele glauben es sei das Selbe virtuelle „Freundschaften“ zu haben, als sich Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen und auch mal ein Problem zu diskutieren. Ein Like zählt inzwischen schon fast mehr als die wirkliche Aussage eines Menschen. Wir werden sehen, was dieser Zustand in Deutschland im kommenden Jahr auslöst.

        Ich möchte hier jetzt aber keine politische Diskussion lostreten und dadurch diesen wunderbaren Text in den Hintergrund rücken.

        Schreiben Sie bitte weiter. Ich freue mich schon auf die nächste Geschichte :).

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  4. Danke für die Fortsetzung. Dieser Teil verlangt nach einer Fortsetzung, denn bisher hast du deine Figuren immer wieder in Beziehung zueinander gesetzt, da kann doch hier nicht einfach jemand in die Stadt gehen und verschwinden. Klasse, wie deine Figuren einen Lebenslauf bekommen, wie sie mit dem Fortschreiten der Geschichte vollständiger werden. Hast du deinen Figuren zu Beginn einen Lebenslauf geschrieben oder entwickeln sie sich, stellen immer neue Anforderungen an dich?

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    1. Danke, ich freue mich, dass Dir die Geschichte gefällt!
      Nein, es gab und gibt für niemanden in dieser Geschichte einen vorausgeplanten Lebenslauf. Jede einzelne der Episoden entsteht neu, muss aber auf dem vorgegebenen Rahmen der vorausgehenden Erzählungen aufbauen. Ich habe zu Beginn nie daran gedacht, dass zum Beispiel das Dienstmädchen Marie eine eigene Episode bekommen würde (Teil II), und schon gar nicht, dass sie später in der Episode von Laurent als greise Dame noch einmal eine Hauptrolle spielen würde (Teil VI).
      Was eine Fortsetzung betrifft: Einerseit scheint sich mit dem Motiv „Oberst Müller“ ein Bogen geschlossen zu haben, andererseits wäre VII eine schöne Zahl und ich würde auch gerne etwas positiver schliessen. Mal schauen. Als Hauptperson für eine weitere Episode bleibt nicht viel Auswahl übrig, aber es fehlt im Moment noch das passende Motiv 🙂

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